Bekannte Persönlichkeiten aus Niederroßla - Wasserburg Niederroßla

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BEKANNTE PERSÖNLICHKEITEN

Bekannte Persönlichkeiten aus Niederroßla

An der Stadtkirchenorgel Weimar
Kupferstich von Carl Hoffmann aus dem Jahr 1857
(Stadtkirchnerei Weimar)
Grab auf dem historischen Friedhof Weimar
Aufnahme von J.Vogel 2018
Johann Gottlob Töpfer (1791 - 1870)
Ein hochgeschätzter Orgelsachverständiger und Organist in Niederroßla geboren – in Weimar vor fast 150 Jahren in Ehren beerdigt

Am 01. Dezember 2018 fand im Rittersaal der Wasserburg ein Gedächtniskonzert zur Erinnerung an Niederroßlas bedeutenden Sohn Johann Gottlob Töpfer mit Liedern von Mozart statt. Aus dem Anlass überreichte Ingo Reimann an den Burg- und Heimatverein das Töpfer-Choralbuch für den Vereinsfundus. Was hat es damit auf sich?
Gegenüber dem Feuerwehrgerätehaus in Niederroßla steht ein schlichtes Haus, das Geburtshaus von Johann Gottlob Töpfer, der am 04. Dezember 1791, einen Tag vor dem Tode Wolfgang Amadeus Mozart, in dem kleinen Dorf an der Ilm geboren wurde. Da standen längst Wasserschloss, die Wasserburg, und auch die Kirche, eine der schönsten Barockkirchen Thüringens, die 1656 durch Brand vernichtet und nach umfangreichen Bauarbeiten 1721 (vor 300 Jahren) unter Herzog Wilhelm Ernst eingeweiht wurde. Acht Jahrzehnte später erblickt Johann in Niederroßla das Licht der Welt und hört besonders in der anbrechenden Weihnachtszeit nach Advent häufiger als sonst die Kirchenglocken. Sein Vater war ein Weber, Ackerbürger und Musikant. Beim Ortscantor erhielt der junge Töpfer den ersten Musikunterricht. Die im Dorfe wohnende Räthin Jagemann gab die Geldmittel, um ihm eine gute Erziehung in Weimar zu geben.
Ganz sicher hörte Töpfer auch von Martin Luther, der um seine Schwesternichte Margarete Mackenroth in Niederroßla wusste und ihr Konfekt in einem Brief zusicherte. Ihr Grabstein ist nach ihrem Tode 1574 in die Kirche zu Niederroßla gekommen. Von 1804 bis 1808 war Töpfer Schüler am Weimarer Wilhelm-Ernst-Gymnasium. 1830 wird er zum Organisten der Stadtkirche St. Peter und Paul zu Weimar ernannt. Töpfer ist vor allem bei Fachleuten und Musiksachverständigen als (deutscher) Orgelbautheoretiker, Orgelsachverständiger, Organist, Virtuose, Lehrer und Komponist in die Geschichte und Lehrbücher eingegangen.
Zu Lebzeiten schon bestand ein gutes Verhältnis der gegenseitigen Hochachtung zu Franz Liszt, der übrigens in anderer Mission in Niederroßla verweilte.
Als Kompositionen sind über 400 Werke überliefert, davon sind die meisten Choralvorspiele für die Orgel.
Nachweisbar spielte Töpfer als Organist in dieser Kirche. Er weihte am 16. Oktober 1853 die von der Orgelbaufirma Witzmann gebaute Orgel in seinem Heimatort ein.
Es ist zu vermuten, dass er in Weimar das Schullehrerseminar besuchte, denn Cyrill Kistler führt ihn in seinem Volksschullehrer-Tonkünstlerlexikon (c. 1886) an. Hauptsächlich vervollkommnete er sich im Orgelspiel und erreichte eine hervorragende Technik, sowie die Gabe auf der Orgel zu improvisieren, worin ihm die Zeitgenossen ganz besonderes Lob spenden. Im Jahre 1817 wurde er in Weimar als Musiklehrer am Seminare angestellt und 1830 zum Stadtorganisten ernannt Diese Aufgabe bekleidete er bis zu seinem Lebensende.
Die historische Bedeutung Töpfers besteht jedoch in den Veröffentlichungen zum Orgelbau. Seine Formeln zur Mensurierung von Orgelpfeifen dienen Orgelbauern noch heute als Berechnungsgrundlage. Ein wichtiges Werk erschien 1856 beim Verleger Voigt unter dem Titel „Lehrbuch der Orgelbaukunst“ in vier Teilen, weshalb er zuvor Mathematik, Mechanik und Akustik studierte.
Da Töpfer auch Orgelrevisor für Sachsen-Weimar war und oft auch ins Ausland als Revisor geladen wurde, so kamen ihm selbst seine Studien hierbei sehr zu statten, und er hatte dadurch vielfach Gelegenheit auf den Bau der Orgeln einzuwirken. Als Componist und Herausgeber von älteren Orgelcompositionen im Vereine mit dem Verleger Körner in Erfurt hat er sich manches Verdienst erworben und auf Veredelung des Geschmacks wesentlich eingewirkt, schreibt der Autor Robert Eitner.
Töpfer brachte durch seine Kenntnisse und Erfahrungen geachtete Orgelspieler hervor, etwa Zimmermann in Ilmenau, Winterberger in Leipzig, Schulze in Naumburg und besonders zu erwähnen A. W. Gottschalg, sein Nachfolger.
Johann Gottlob Töpfer verstarb hoch geachtet am 08. Juni 1870 in Weimar.
Die Gemeinde und Kirchgemeinde Niederroßla ehren besonders seine Arbeit durch die Gedenktafel, die am Geburtshaus (derzeit nicht) sichtbar ist.
Im 300. Weihejahr der Kirche zu Niederroßla finden einige Konzertabende statt, in denen die Musik von Töpfer erneut zu Gehör kommt.
Herzlich willkommen.

Zusammengetragen und Bearbeitet von Hartwig Mähler, Niederroßla

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